details

Space Drive macht’s möglich: Drive-by-Wire-Technologie lässt autonomes Fahren in greifbare Nähe rücken

Der schwäbische Unternehmer Roland Arnold hat eine Schlüsseltechnologie entwickelt, mit der das autonome Fahren in Deutschland sicher umsetzbar ist. Durch den neuen Gesetzesbeschluss zum autonomen Fahren von vergangener Woche sieht er sich in seiner Arbeit bestätigt.

Der Deutsche Bundestag hat ein Gesetz beschlossen, das Deutschland zur Nummer eins beim autonomen Fahren machen soll. Es eröffnet für autonom fahrende Fahrzeuge der Stufe vier die Möglichkeit, ab dem kommenden Jahr bundesweit auf festgelegten Strecken im Regelbetrieb Teil des öffentlichen Straßenverkehrs zu werden. Nach Verabschiedung im Bundesrat folgt die Ausfertigung durch den Bundespräsidenten und die Verkündung im Bundesgesetzblatt. „Wenn das Gesetz kommt, ebnet es den Weg, die Technologie im öffentlichen Verkehrsraum zu erproben und weiterzuentwickeln. Damit kann Deutschland eine Vorreiterrolle übernehmen“, sagt Roland Arnold, CEO der Schaeffler Paravan Technologie GmbH und Gründer der PARAVAN GmbH, welche die Technologie aus der Behindertenmobilität heraus entwickelt hat.

Vollautomatisiertes Fahren der Stufe vier bedeutet, dass das System nicht mehr von einem physisch anwesenden menschlichen Fahrer überwacht werden muss. Gibt es Fahrzeuginsassen, sind diese nur noch Passagiere, die jedoch einen Nothalt veranlassen können. Denn sobald – etwa in einem Notfall – der autonome Modus verlassen werden muss, fordert das System Insassen oder eine externe Aufsicht auf, die Steuerung zu übernehmen. Erfolgt keine Reaktion, kann sich das Fahrzeug selbstständig beispielsweise auf dem Seitenstreifen zum Stehen bringen. Als Einsatzszenarien nennt das Bundesverkehrsministerium Shuttle-Verkehr oder Busse, die auf einer festgelegten Route unterwegs sind, so genannte People-Mover. Auch in der Güterbeförderung oder in der Landwirtschaft könnten entsprechende Systeme zum Einsatz kommen.

Mit dem künftigen Gesetz sollen die technischen Anforderungen an den Bau, die Beschaffenheit und die Ausrüstung von Kraftfahrzeugen mit autonomen Fahrfunktionen neu geordnet werden. Damit verknüpft wäre auch die Prüfung und das Verfahren für die Erteilung einer Betriebserlaubnis durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA). Geregelt würde zudem der Umgang mit den für den Betrieb benötigten Daten. So würde Roland Arnold zufolge die Sicherheitsnorm ISO 26262 zur Grundlage für den ausgeweiteten Testbetrieb. Sie stellt hohe Anforderungen etwa zur Gefährdungsanalyse und legt fest, wie Systeme durch Eigendiagnose bei Gefahr reagieren sollten.

Space Drive erstes Drive-by-Wire-System mit Straßenzulassung

„Wir haben bereits heute die straßenzugelassene, gesetzeskonforme Technologie, mit der diese Vision realisiert werden kann – sofort verfügbar und nachrüstbar in jedem Fahrzeug“, erklärt Arnold, der erst kürzlich mit der Rudolf Diesel Medaille für die nachhaltigste Innovationsleistung gewürdigt wurde. Möglich macht das eine bewährte Technologie aus der Behindertenmobilität: das ausfallsichere Drive-by-Wire System Space Drive.

Das mehrfach redundante und straßenzugelassene Gas-, Brems- und Lenk-System Space Drive wurde entwickelt, um Menschen mit einer erheblichen körperlichen Einschränkung eine selbstbestimmte Teilnahme am Straßenverkehr zu ermöglichen. Heute ist es eine der Schlüsseltechnologien für das autonome Fahren. Es ist auf unterschiedliche sicherheitsrelevante Automotivanwendungen individuell anpassbar, von Drive-by-Wire-Lösungen in Behindertenfahrzeugen bis hin zur Steuerung von Test- und Nutzfahrzeugen.

Dass die Technologie aus der Welt der Behindertenmobilität stammt, kommt nicht von ungefähr: Ein Mensch mit Bewegungseinschränkungen oder geringer Kraft kann nicht einfach ins Lenkrad greifen, wenn die Technik versagt. „Der Fahrer muss sich hundertprozentig auf unsere Technologie verlassen können“, so Arnolds Anspruch. Wo hier heute noch ein Joystick die Steuerung übernimmt, könnte auch die Fahrautomation über eine Schnittstelle in der Space Drive Steuereinheit realisiert werden. „Ausfallsicherheit ist ein Schlüssel zum autonomen Fahren“, ist sich Arnold sicher. Weltweit sind bereits über 8.500 derartige Systeme im Einsatz, einige davon im Rennsport.

Von der Rennstrecke auf die Straße – Motorsport als Entwicklungsbeschleuniger

Seit zwei Jahren ist die Steer-by-Wire-Technologie Space Drive vom Deutschen Motor Sport Bund (DMSB) zugelassen und wird seitdem unter den harten Bedingungen des Rennsports getestet. Die Lenktechnologie ist seit 2020 Bestandteil im Reglement der „GTC Race“, seit diesem Jahr in der DTM und wird so im Rennsporttempo weiterentwickelt. Premiere auf der Nordschleife hatte das System in einem Porsche Cayman 718 GT4 beim ADAC Total 24h Nürburgring im vergangenen Jahr. In Vorbereitung auf das 24h-Rennen vom 3. bis 6. Juni 2021 auf dem Nürburgring hat bereits der Mercedes-AMG GT3 #25 als erstes GT3 Fahrzeug ohne mechanische Verbindung zwischen Lenkeinheit und Lenkgetriebe erfolgreich an einem Rennen auf der Nordschleife teilgenommen. „Ein wichtiger Meilenstein im Entwicklungsprogramm und der nächste logische Schritt“, wie Arnold sagt.

Space Drive – getestet unter den härtesten Bedingungen auf der Nordschleife, in der kommenden Woche beim 24h Nürburgring ist zum ersten Mal in der Geschichte des traditionsreichen Rennen in einem Mercedes-AMG GT3 Foto: GruppeC Photography

Autonome Shuttle, wie der Schaeffler Mover können mit Inkrafttreten des Gesetzes in einer realen Testumgebung – führerlos entwickelt werden, mit Space Drive verfügen die Entwickler über ein straßenzugelassenes Lenksystem. Foto: Schaeffler-Paravan

 

So könnten Sie Fahrzeuge der Zukunft aussehen. Mit dem Wegfall der Lenksäule durch Space Drive werden neue Innenraumkonzepte realisierbar. Foto: Rinspeed

Datenschutzerklärung. Nachfolgend können Sie einstellen welche Art von Services & Cookies Sie zulassen möchten.
Bestätigen
Speichern und Akzeptieren